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Der Fliederbusch

Es war einmal ein Garten, in dem stand in einer Ecke ein wunderschöner Fliederbusch. Er hatte viele Zweige, starke, etwas dünnere, dünne und auch filigrane. Er blühte im Frühjahr in einem wunderschönen Blau. Der ganze Busch wog sich in einer blauen Blütenpracht. Reich beschenkte der Fliederbusch den Garten mit seinen prachtvollen Blüten und seinem zauberhaften Geruch. Auch stand in diesem Garten der große Bruder des Flieders, der Eichenbaum. Stolz stand er in der Mitte des Gartens, breitete im Frühjahr seine Krone aus und spendete den anderen Pflanzen im Garten Schutz vor der sengenden Hitze des Sommers. Auch legte sich die Katze im Sommer gern unter die Eiche und spürte gern die Kraft ihrer Wurzeln tief in der Erde nach. Die Vögel bauten ihre Nester in den starken Ästen und zogen mit viel Gezwitscher ihre Jungen darin groß. Der Fliederbusch bewunderte die Eiche sehr wegen ihrer Größe und Kraft. Gern hätte sie auch im Sommer ein wenig Schatten abbekommen, aber der Garten war zu groß und somit der Abstand auch. Der Fliederbusch war traurig, hätte er doch auch gern einen Kameraden gehabt, der ihn so liebt, wie die Katze und Vögel diese Eiche.

Doch eines Tages kam ein wunderschöner Schmetterling in den Garten, flog an der Eiche vorbei und lies sich nieder auf der blauen Blütenpracht. Der Fliederbusch freute sich sehr. Der Schmetterling hüpfte auf fast jeder Blüte, berauschte sich an deren Schönheit und des Abends ganz entzückt der vollen Beute, die er durch den Besuch des Fliederbuschs gemacht hatte. Soviel Blütenstaub hatte er schon lange nicht mehr heimgebracht. Der Fliederbusch freute sich, dass er einem so schönen Schmetterling dienlich sein konnte. Auch war der Fliederbusch stolz, alle im Garten konnten es sehen, er war nicht mehr allein, ein buntes wunderschönes Wesen schwirrte um ihn und auf ihm herum. Doch als der Abend sich über den Garten neigte, sagte der schöne Schmetterling adieu. Er freute sich, die neue Bekanntschaft gemacht zu haben. Konnte er doch hier viel Blütenstaub mit nach Hause bringen, stolz würden die Seinigen auf ihn sein. Der Schmetterling ganz und gar vor Freude winkte dem Fliederbusch noch mal dankbar zu und flog davon.

Der Fliederbusch stand ganz stolz in der hinteren Ecke des Gartens und freute sich auf den morgigen Tag. Als er morgens erwachte, regnete es und der Wind riss seine dünnen Ästchen arg hin und her. Er wartete und hoffte, dass der Schmetterling vorbei käme und sie ein schönes Pläuschchen halten könnten, dass der Tag daraufhin schneller vergehen möge. Aber der Schmetterling kam nicht. Es vergingen Tage und Tage des Wartens. Die Sonne schien schon längst wieder, aber der Schmetterling kam nicht. Der Fliederbusch wurde traurig, stand er doch wieder allein in der Ecke des Gartens. Er gab die Hoffnung aber nicht auf, er dachte, ich muss meine Blüten noch üppiger erscheinen lassen und er zog die Kraft aus seinen Wurzeln und schickte sie in die Blüten. Manchmal drohte er von seiner eigenen Blütenschwere aus dem Gleichgewicht zu kommen.

Dann auf einmal kam der Schmetterling wieder, ein freudiges Hallo auf den Lippen und schon machte er sich fleißig ans Werk, den Blütenstaub auf den Fliederblüten einzusammeln. „Ach“, sagte der Fliederbusch, „was freue ich mich dich wiederzusehen, ich hab dich arg vermisst.“ Da sagte der Schmetterling, „och ja, ich fand es auch schön bei dir zu verweilen, aber vermisst habe ich dich nicht. Muss ich doch deinen Blütenstaub in mein Heim bringen, dann muss ich noch ein paar Blütenstaubkörner von dir zu meiner Verwandtschaft tragen, weil die nicht so viel Blütenstaub gefunden haben wie ich. Dadurch ist mir die Zeit sehr kurz erschienen, als wir uns das letzte Mal sahen.“ Da sage der Fliederbusch: „Kannst du mich nicht mal mitnehmen auf deine Reise und mir zeigen, wo mein Samen landet?“ Da lachte der Schmetterling den Fliederbusch aus und sagte: „Nein bist du dumm, den Blütenstaub will ich von dir, den kann ich gerade noch schleppen, aber einen Fliederbusch, den kann und will ich nicht tragen. Mit anderen Schmetterlingen fliege ich hoch hinaus, sie sind wie ich, leicht, bunt schillernd, eben meines Gleichen, aber nein, doch nicht mit einem Wurzelwerk so wie du. Was würde denn meine Verwandtschaft dazu sagen? Auslachen würden die mich! Möchtest Du das?

Lass es gut sein und frag mich nicht mehr!“

Da war der Fliederbusch doch sehr traurig.

Das wollte der Schmetterling nun auch nicht und sagte: „Vielleicht eines Nachts, wenn alle Vögel und aller Pflanzen schlafen und keiner es sehen kann, dann komme ich vielleicht vorbei und nehme dich mit. Aber bis dahin darfst du deine Traurigkeit nicht zeigen, sonst fühle ich mich ganz schwer und kann nicht mehr fliegen. Dann kann ich nicht mehr kommen und du bist ganz allein.

Und nun adieu …......... ich freu' mich schon auf das nächste Mal.“ ….............


Verfasst von Claudia Janke

Einträge:

Wir streifen so gern durch

Wir streifen so gern durch Wald und Flur
und erfreuen uns an der Mutter Natur !
Ein Kuckucksruf im Monat Mai
macht all' unsere Herzen frei.

Ein sehr ergreifende Geschichte.

Vertraute Klänge
Und ein Glück das ich mit dir gesprochen habe.
Danke für deine Hilfe.

Geli

Liebe Claudia, Als Du mir den

Liebe Claudia,

Als Du mir den Fliederbusch am Telefon vorgelesen hast, mit Deiner warmen tiefen Stimme, war ich sehr berührt. So eine schöne Geschichte.........ich fühlte mich wie ein kleines Kind, für kurze Zeit entführt in eine Märchenwelt. Das ist schon genau so gut wie der große Meister " Goethe ", nur eben mit Deiner eigenen individuellen Note. Dankeschön!!

Liebe claudia, nun habe ich

Liebe claudia,
nun habe ich mir den text mit dem fliederbusch durchgelesen und muss sagen: ich möchte der schmetterling sein nicht der fliederbusch.
ich möchte keine schmerzen mehr haben nur weil ich sehnsucht habe und einen menschen liebe
manchmal ist es bestimmung und man MUSS wohl einen menschen lieben auch wenn es weh tut weil das schicksal ist.
mir wurde oft weh getan wie diesem fliederbusch immer aufs neue. aber ich wünsche mir so sehr das ich einmal belohnt werde für all diese schmerzen und auch ich gebe die hoffnung nicht auf.
ich denke liebe gibt es ohne leiden nicht ;-(
belohnt werden immer diejenigen die andren schmerzen zufügen, diese menschen bekommen liebe die die liebe geben von herzen bekommen nie die liebe nach der sie sich sehnen
genau wie der fliederbusch.

Viele Grüsse
Angie aus ulm

Diese Geschichte ist ein

Diese Geschichte ist ein wahrer Wink aus dem Leben.Leider sind wir meisten nur der Fliederbusch und ertragen es still das man sich nur das Beste von uns nimmt und sich keiner um unsere Äste kümmert.
Liebe Claudia.Du hast damit den Nagel auf den Kopf getroffen.
Auch du gibst deinen letzten Blütenstaub und deine letzte Kraft für viele Menschen!
Deshalb komme ich auch gerne einmal vorbei um deine Äste zu pflegen und deinen Stamm zu giessen!
Ich hoffe das sich viele Schmetterlinge diese Sätze einmal zu gemüte führen und vielleicht sich auch einmal zur Rast auf den Flieder setzen und nicht nur sich an dem guten erlaben;)
Liebe Grüsse Sissy:)